Petrus wieder… Und wenn alle an Dir Anstoß nehmen, ich werde niemals Anstoß nehmen. Ich werde Dich auch niemals verleugnen… Petrus, der an andere Stelle der Bibel sofort drei Hütten bauen will für Jesus, Mose und Elia. Der zu Jesus sagt: „Ich will über das Wasser zu Dir laufen“, und der dann voller Zweifel untergeht.
Petrus wieder… Morgen in der Passion hören wir es: Petrus, der groß tönt „ich werde dich nie verleugnen“ und der es dann doch tut – noch bevor der Hahn kräht.
Und heute am Vorabend? Petrus und zwei andere jünger nimmt Jesus mit zum Beten, für diese schwerste aller Stunden, zu wissen: Da kommt der Tod. Bleibt hier und wacht mit mir. Damit ich in dieser schweren Stunde nicht allein bin. – Und die jünger? – Sie schlafen ein!
Petrus wieder…. Und ich muss zugeben: ich spüre diesen Petrus in mir. Der, der sofort das Wort ergreift, der eine Idee hat, der Ungestüme, der sofort handeln will, der sich Hals über Kopf in eine fast ausweglose Lage bringt: Übers Wasser gehen, zu Dir stehen, für Dich sterben – ich mache alles mit… Petrus ist ja kein böser Mensch. Im Gegenteil: Petrus will machen, er will glauben, er will für Jesus einstehen. Aber er ist zutiefst verunsichert.
Eine Unsicherheit, die auch in meinem Glauben vorkommt. Kann das wirklich alles so sein? Ist da ein Gott? Warum passiert dann das Schlimme in der Welt? Damals in Jerusalem. Heute wieder in Jerusalem. Im Iran. Im gesamten Nahen Osten. In Afrika, in Amerika. Warum all das Leid?
Ich würde gerne wachbleiben, Jesus. Aber ich bin so ungeheuer müde.
In einem bekannten Kirchenlied von Huub Oosterhuis (Gotteslob 422) singen wir „Ich steh vor Dir mit leeren Händen, Herr – fremd wie Dein Name sind mir Deine Wege“ – und in der zweiten Strophe „Von Zweifeln ist mein Leben übermannt – Mein Unvermögen hält mich ganz gefangen“.
Hier wird er ganz deutlich, der Petrus in mir. Der zutiefst menschlich ist. Im Innern angetrieben vom Glauben an diesen Jesus und doch verunsichert und voller Angst in dieser Nacht. Im Dunkeln, in der Finsternis. Wenn wir an dieser Stelle enden würden, wäre das keine Frohe Botschaft. Dann würde am Ende das Dunkel stehen. Der Tod, der Verlust.
Aber es endet ja hier nicht. Im Gegenteil: Wir sind hier zusammengekommen, damit Jesus in dieser Stunde nicht allein ist. Keiner von uns ist allein. Hier und jetzt nicht. In dieser Stunde der Anbetung und des Gedenkens sind wir miteinander und mit Gott versammelt.
Und so geht auch dieses Lied weiter. In der dritte Strophe heißt: „Sprich Du das Wort, das tröstest und befreit – und das mich führt zu Deinem großen Frieden“. Die Auflösung. Wir bleiben eben nicht in der Nacht stehen, im Dunkeln. Gott sagt nicht „Du hast da was falsch gemacht, da hast Du versagt“. – Er geht einen Schritt weiter durch das Dunkel hindurch und aus dem Dunkeln hinaus in das Helle. Er reißt uns – so werden wir gleich singen – „durch seinen Tod aus Nacht und Not“.
Petrus geht nicht unter, sondern Jesus rettet ihn, er reicht ihm die Hand. Petrus und Jesus – trotz dieses schrecklichen Abends bleiben beide im Geiste verbunden. Petrus wird in den ersten Jahren der Christus-Nachfolge maßgeblich diese aufkommende Kirche prägen. Petrus ist es, der an Pfingsten auftritt und sagt: „Diese Männer sind nicht vom Wein betrunken“ (der Vorwurf kommt ja), „sondern vom Geist Gottes erfüllt.“ Petrus ist es, der in seiner großen Pfingstpredigt dazu aufruft: „Lasst euch taufen auf den Namen Jesu Christi“. Petrus schafft hier die Kirche. Er ist der Fels, auf dem Gott die Kirche baut.
Petrus wieder… Ungestüm, verunsichert, und auch voller Angst und Ungewissheit. – Aber auch der Petrus, der Überzeugte, der nachfolgt, der seinen Glauben lebt, so wie es ihm eben möglich ist. Petrus ist kein Superman. Er ist ein Mensch. Wie Du und ich. Ein Mensch, wie Gott ihn annimmt.