Pfingstmontag: Gebrauchsanleitung für unseren Glauben (Joh 3,16-21)

Der Pfingstmontag, den wir heute begehen, ist im Kirchenjahr ein ulkiges Konstrukt. Einerseits ist er noch Teil des Pfingstfestes, es geht also wie gestern auch heute um den Geist, der auf die Menschen kommt und die Menschen erfüllt. Andererseits die sind 50 Tage der Osterzeit mit dem gestrigen Tag vorbei. Rein rechnerisch gehört der Pfingstmontag nicht mehr dazu. Wir bewegen uns heute quasi in einem liturgischen Irgendwo.

Darum kommt es auch je nach Gemeinde schon mal vor, dass der Pfingstmontag – sagen wir mal – eher „effizient“ gefeiert wird: Es gibt einen schnellen Gottesdienst, oft wird auch auf die Predigt verzichtet. Dafür wiederum erscheint mir dieser Tag aber zu wichtig – hier zwischen Osterzeit, Pfingsten und Jahreskreis, zwischen dem Hochfest und unserem Alltag.

Ein früherer Pfarrer sagte einmal, man brauche für den Pfingstmontag eigentlich eine eigene liturgische Farbe: Rot-Grün. Das Rot für Pfingsten und die Geisteskraft; und das Grün, weil wir mit dem heutigen Tage wieder im so genannten normalen Jahreskreis sind.

Die liturgische Farbe an Pfingstmontag: rot-grün

Bislang gibt es Rot-Grün als offizielle liturgische Farbe nicht. Doch die Idee ist gar nicht so dumm: Rein äußerlich würden wir damit eine Verbindung schaffen vom Pfingst-Ereignis in unser Alltagsleben. Denn das, was wir auch heute in der Apostelgeschichte und im Evangelium hören, gibt ja bereits einen Ausblick, was nun folgen soll. Es ist eine Art Anleitung, eine Gebrauchsanweisung für unseren Glauben und unser Glaubensleben, der Auftrag an uns Menschen, mit dem das Pfingst-Ereignis verbunden ist.

Dieser Anleitungs-Charakter wird auch deutlich, wenn wir uns klarmachen, was für einen Textausschnitt wir heute im Evangelium vor uns hatten: Viele von Ihnen haben sicherlich schon mal den Namen Nikodemus gehört. Richtig: Im Evangelium an Karfreitag. Das ist die Stelle fast am Ende der Passionsgeschichte, wenn Jesus gestorben ist und vom Kreuz abgenommen wird. Josef von Arimathäa bittet da Pilatus um den Leichnam Jesu. Und dann heißt es „Es kam auch Nikodemus, der früher einmal Jesus bei Nacht aufgesucht hatte.“ Und dieser Nikodemus, der kommt heute im Evangelium vor. Das wir gehört haben, ist der letzte Teil genau dieses Gesprächs bei Nacht zwischen Jesus und Nikodemus: Was kann ich als Einzelner tun? Jesus antwortet ihm: „Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; was aber aus dem Geist geboren ist, das ist Geist.“

Neu geboren durch den Geist

Genau das ist es, worum es in dieser berühmten (weil in der Passion erwähnten), aber ansonsten doch recht komplexen Begegnung zwischen Jesus und Nikodemus geht: Ums Neu-geboren-werden aus dem Geist. Darum gehört dieser Abschnitt auch genau hierhin, an den Pfingstmontag. An die Schnittstelle von Pfingsten zum Alltag. Den Geist von Pfingsten mitzunehmen in mein Leben, das ist meine Aufgabe.

Wir werden nicht neu geboren, indem wir noch einmal auf die Welt kommen. Noch einmal von vorne anfangen, so als wären wir nicht am Leben gewesen. Das ist nicht gemeint. Gemeint ist, dass wir jederzeit, immer wieder in unserem bestehenden Leben neu beginnen dürfen. Weil wir die Gnade Gottes erfahren. Böse tun böses, sie meiden das Licht. Aber sie haben immer die Möglichkeit zur Um-kehr.

Wenn wir Firmung feiern, dann geht es dabei immer auch um die so genannten Gaben des Heiligen Geistes: Stärke zum Beispiel, Rat oder Weisheit und auch Einsicht. Einsichtig sein, dass mein bisheriger Weg nicht optimal war, dass ich etwas ändern kann in meinem Leben, was es für mich und vielleicht auch für andere leichter macht. Meinem Leben einen Sinn geben, wenn ich das Gefühl habe, der fehlt noch. Gottes Schöpfung – unsere Natur, Klima und Umwelt – bewahren, wenn ich das bislang noch nicht oder nicht ausreichend gemacht habe.

Es gibt viele Möglichkeiten sein Leben immer wieder neu auszurichten. Wir müssen es nicht über den Haufen werfen. Aber sich fragen: Wo kann ich etwas anders machen, wo kann ich die Idee von Gottes Frieden. Gerechtigkeit und Nächstenliebe in meiner Welt umsetzen. Dafür muss ich nicht neu auf diese Welt kommen. Ich muss nur den Geist von Pfingsten mitnehmen und in mir wirken lassen. Und danach handeln. Gestern an Pfingsten, heute an Pfingstmontag, diesem ulkigen Zwischending – vor allem aber morgen und an allen kommenden Tagen.

Schreibe einen Kommentar