Impuls zum 3. Advent „Gaudete“ (2021)

Wer eine lange Wanderung unternimmt, kommt irgendwann in den Genuss, das so genannte „Bergfest“ zu feiern. Den Moment, in dem der Kräfte zehrende Aufstieg geschafft oder der Gipfel erreicht ist, die Hälfte des Weges hinter uns liegt und das Ziel in Sichtweite kommt. Ein solches Bergfest feiern wir auch in der Mitte der Adventszeit. Der 3. Advent trägt den lateinischen Beinamen „Gaudete“ = Freuet Euch! „Freu Dich, o Israel. Bald kommt zu Dir Immanuel“ lautet eine Liedzeile, die wir an diesem Wochenende singen. Die Hälfte der Vorbereitungszeit auf Weihnachten haben wir hinter uns (in diesem Jahr fällt dieser Tag auch noch exakt auf das 12. von 24 Adventskalender-Türchen), und das große Fest ist schon ganz nahe.

Der Sonntag „Gaudete“ in der Mitte der Adventszeit drückt die Freude über das erreichte Etappenziel und das nahende Ereignis aus – ähnlich wie der Sonntag „Laetare“ in der Mitte der Fastenzeit. Das ist kein Zufall, denn die Adventszeit wurde ursprünglich wie eine Fastenzeit begangen. Besinnen statt Berauschen. Das mit der besinnlichen Adventszeit klappt schon seit Jahren nicht mehr so recht. Hersteller und Händler locken mit Angeboten, die Suche nach Geschenken treibt viele um, Weihnachtsmärkte buhlen um Besucher. Und die Corona-Pandemie mit all ihren Beschwerlichkeiten macht den Sinn fürs Besinnliche auch nicht einfacher.

Zumal für die Mitte des Advents wie für das „Bergfest“ gilt: Es liegt noch etwas Weg vor uns. Und der braucht ebenso wie der anstrengende Aufstieg unsere volle Aufmerksamkeit, damit wir auf den letzten Metern kurz vor dem Ziel nicht ins Stolpern geraten. Wir müssen also weiter wachsam sein. Wachsam und aufmerksam für das, was neben Buden-Rummel und Jahresendzeit-Stress auch noch wichtig ist. Im Evangelium von diesem Advents-Wochenende lesen wir, was Johannes der Täufer den Menschen für ihr damaliges Warten auf den Messias mit auf den Weg gegeben hat: „Wer zwei Gewänder hat, der gebe eines davon dem, der keines hat. Und wer zu essen hat, der handle ebenso!“ – Eure Freude auf die kommende Erlösung in allen Ehren, aber vergesst nicht die Aufmerksamkeit für Euren Nächsten.

Der Advent ist also nicht die Zeit des Tschingderassabum, sondern die wachsame innere Vorbereitung darauf. Wenn ich zumindest versuche, nach diesem Motto zu leben und die verbleibenden 12 Tage entsprechend zu gestalten, kann ich die Freude des „Gaudete“ Sonntags sehr viel intensiver erfahren. Und die Freude an Weihnachten erst recht.

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